KÜCHENWISSEN
Mehltypen verstehen – welches Mehl wofür?
Im Supermarkt stehen Weizenmehl Type 405 und Type 550 direkt nebeneinander. Ein Stück weiter gibt es Dinkelmehl 630, Roggenmehl 1150 und verschiedene Vollkornmehle. Manchmal findet sich auch italienisches Pizzamehl mit der Aufschrift „Tipo 00“. Welches davon gehört nun in den Kuchen, welches in den Brotteig – und warum gibt es diese Zahlen überhaupt? Wer die wichtigsten Unterschiede kennt, muss nicht für jedes Gebäck ein Spezialmehl kaufen. Häufig reicht es, Getreideart, Mehltype und Backeigenschaften getrennt zu betrachten. Denn die Zahl auf der Tüte beantwortet nur einen Teil der Frage. Für den Teig zählen auch Eiweißqualität, Wasseraufnahme und die Art der Zubereitung.
Was die Zahl auf der Mehlpackung bedeutet
Bei deutschen Weizen-, Dinkel- und Roggenmehlen stehen Zahlen wie 405, 550, 630, 1050 oder 1150 für den sogenannten Mehltyp. Maßgeblich ist der Mineralstoffgehalt, der beim Veraschen einer Mehlprobe als Rückstand übrig bleibt. Die Einstufung erfolgt nach der Norm DIN 10355 innerhalb festgelegter Bereiche.
Vereinfacht gesagt: Weizenmehl Type 405 enthält ungefähr 405 Milligramm Mineralstoffe je 100 Gramm Mehl. Eine Type 1050 liegt entsprechend in einem höheren Mineralstoffbereich. Es handelt sich um Typenbezeichnungen und Richtwerte, nicht um eine Garantie, dass jede Packung exakt die angegebene Milligrammzahl enthält.
Die Mineralstoffe konzentrieren sich beim Getreide besonders in den Randschichten. Deshalb sind Mehle mit höheren Typenzahlen meist etwas dunkler und kräftiger im Geschmack. Sie bringen in der Regel auch mehr Bestandteile des Korns mit, die Ballaststoffe enthalten. Aber: Die Typenzahl ist kein vollständiger Nährwertvergleich – und auch kein Maß für den Glutengehalt.
Was die Mehltype gerade nicht verrät
Drei Dinge werden häufig durcheinandergebracht:
Mehltype: beschreibt den Mineralstoff- beziehungsweise Aschegehalt.
Mahlfeinheit: beschreibt, wie fein oder grob das Getreide zerkleinert wurde. Mehl, Dunst, Grieß und Schrot unterscheiden sich in ihrer Körnung.
Backstärke: hängt unter anderem von der Menge und Qualität der kleberbildenden Proteine, der Getreideart und der Verarbeitung ab.
Eine höhere Zahl bedeutet also nicht automatisch „gröber gemahlen“. Ebenso wenig bedeutet Type 550 automatisch „mehr Eiweiß als Type 405“. Bei Weizenmehl können zwei Produkte derselben Type unterschiedliche Teigeigenschaften haben. Die Aussage auf der Packung „für Brot“, „für Pizza“ oder „backstark“ kann deshalb ebenso nützlich sein wie die Typennummer.
Der Aufbau eines Getreidekorns
Um die Unterschiede zu verstehen, hilft ein kurzer Blick ins Korn. Vereinfacht besteht es aus drei Bereichen:
Mehlkörper (Endosperm): überwiegend Stärke und Eiweiß; daraus wird besonders helles Auszugsmehl hergestellt.
Randschichten: enthalten unter anderem Ballaststoffe und viele Mineralstoffe.
Keimling: enthält ebenfalls Nährstoffe und vergleichsweise viel Fett.
Bei der Herstellung heller Mehle werden vor allem Teile des Mehlkörpers verwendet. Für dunklere Typen gelangen mehr mineralstoffreiche Bestandteile in das Mehl. Vollkornmehl enthält dagegen alle wesentlichen Bestandteile des gereinigten Korns einschließlich des Keimlings und trägt deshalb keine Mehltypennummer. Es kann fein gemahlen sein und trotzdem Vollkornmehl bleiben.
Daraus folgt auch: Dunkles Brot ist nicht automatisch Vollkornbrot. Die Farbe allein zeigt nicht zuverlässig, welche Mehle im Teig stecken. Wer wirklich Vollkorn möchte, sollte auf die Zutatenbezeichnung achten.
Die wichtigsten Weizenmehltypen
Weizen ist für viele Backwaren besonders praktisch, weil seine kleberbildenden Eiweiße mit Wasser und Bearbeitung ein dehnbares, elastisches Netzwerk bilden können. Dieses Glutengerüst hilft beispielsweise Brot und Brötchen, beim Gehen die Gärgase festzuhalten. Welche Type man wählt, beeinflusst unter anderem Farbe, Geschmack und Wasserbedarf.
| Weizenmehl | Typische Eigenschaften | Häufige Verwendung |
| --- | --- | --- |
| Type 405 | Hell, mild, vielseitig | Rührkuchen, Plätzchen, Pfannkuchen, Biskuit, Soßen |
| Type 550 | Ebenfalls hell, häufig für Gebäck mit guter Teigstruktur eingesetzt | Brötchen, Baguette, Ciabatta, Hefeteig, einfache Pizza |
| Type 812 | Kräftiger als 550, zwischen hellem und dunklerem Mehl | Helle Mischbrote, rustikale Weizenteige |
| Type 1050 | Mehr mineralstoffreiche Kornbestandteile, aromatischer | Mischbrote, herzhaftes Brot, kräftige Brötchen |
| Type 1600 | Dunklere Ausmahlung, ausgeprägter Geschmack | Dunkle Weizen- und Mischbrote |
| Weizenvollkorn | Ganzes Korn einschließlich Keimling, keine Typennummer | Vollkornbrot, Vollkornbrötchen, kräftige Kuchen und Pizzateige |
Diese Angaben sind Orientierungen und keine strengen Verbote. Ein Kuchen kann auch mit Type 550 gelingen. Aus Type 405 lässt sich ein einfacher Hefeteig machen. Ob ein bestimmter Brot- oder Pizzateig besonders gut aufgeht, hängt jedoch nicht allein von der Typenzahl ab.
Type 405 – der Klassiker für die Alltagsküche
Weizenmehl 405 ist für viele Haushalte das Standardmehl. Es ist hell und relativ mild. Für Rührkuchen, Biskuit, Kekse, Pfannkuchen und das Binden von Soßen ist es meist eine unkomplizierte Wahl.
Bei Gebäck, das zart werden soll, ist ein extrem kräftiges Klebergerüst nicht unbedingt erwünscht. Gerade bei Muffins oder Rührkuchen ist deshalb nicht nur das Mehl wichtig, sondern auch, dass man nach dem Zugeben des Mehls nicht unnötig lange rührt. Ein stärker entwickeltes Glutengerüst kann die Krume zäher machen.
Type 550 – oft die erste Wahl für Brötchen und Hefeteig
Wer regelmäßig Brötchen, Baguette, Ciabatta oder Pizza backen möchte, landet häufig bei Weizenmehl 550. Es passt gut zu vielen Teigen, die beim Kneten und während der Gare eine tragfähige Struktur entwickeln sollen.
Die Type 550 selbst garantiert allerdings keine bestimmte Backstärke. Für sehr lange Teigführung oder besonders luftige Pizza kann ein ausdrücklich dafür vorgesehenes, proteinreicheres Mehl sinnvoll sein. Für den normalen Backofen und einfache Hefeteige reicht ein handelsübliches 550er häufig aus.
Type 1050 und 1600 – kräftigeres Brot
Bei Mischbroten und rustikalen Gebäcken werden gern höhere Weizentypen eingesetzt. Mehr Kornrandschichten bringen einen kräftigeren Geschmack und beeinflussen die Wasseraufnahme. Ein Teig kann sich mit Type 1050 anders anfühlen als mit Type 405, selbst wenn zunächst dieselbe Flüssigkeitsmenge verwendet wird.
Deshalb sollte man beim Austausch nicht einfach davon ausgehen, dass Wasserbedarf, Knetverhalten und Backergebnis unverändert bleiben. Eine Ruhephase hilft oft, weil das Mehl Zeit bekommt, die Flüssigkeit aufzunehmen.
Dinkelmehl: Ähnlich wie Weizen, aber nicht identisch
Dinkel gehört botanisch zur Weizenfamilie und enthält ebenfalls Gluten. Ein Dinkelmehl ist deshalb keine glutenfreie Alternative zu Weizenmehl. Es bringt aber einen eigenen Geschmack und ein anderes Teigverhalten mit. Je nach Sorte und Produkt kann der Teig empfindlicher auf intensive Knetung reagieren.
| Dinkelmehl | Typische Verwendung |
| --- | --- |
| Type 630 | Kuchen, Waffeln, Hefeteig, helle Dinkelbrötchen |
| Type 812 | Etwas kräftigere Dinkelgebäcke und Mischteige |
| Type 1050 | Dinkelbrot und herzhafte Backwaren |
| Dinkelvollkorn | Vollkornbrot und kräftige Teige mit höherem Wasserbedarf |
Dinkelmehl 630 kann in vielen einfachen Rezepten einen Teil oder die gesamte Menge Weizenmehl ersetzen. Dennoch lohnt sich ein genauer Blick auf den Teig. Manche Dinkelteige wirken zuerst weich und lassen sich durch zu langes Kneten nicht unbedingt verbessern. Gerade bei Broten sind Rezept und Teigführung wichtiger als eine pauschale Umrechnungsformel.
Roggenmehl: Besonders wichtig für herzhafte Brote
Roggenmehl unterscheidet sich in seiner Teigbildung deutlich von Weizen. Zwar enthält auch Roggen Proteine, doch bildet Roggenteig kein vergleichbar tragfähiges Weizenglutengerüst. Für seine Struktur sind unter anderem quellfähige Schleimstoffe, Stärke und die richtige Säuerung wichtig.
| Roggenmehl | Typische Verwendung |
| --- | --- |
| Type 815 | Hellere Roggenbackwaren; nicht überall erhältlich |
| Type 997 | Roggen- und Mischbrote |
| Type 1150 | Kräftige Roggenmischbrote und klassische Roggenbrote |
| Type 1370 | Dunklere, aromatische Roggen- und Roggenmischbrote |
| Type 1740 | Sehr kräftige, dunkle Roggenbrote |
| Roggenvollkorn | Vollkorn-Roggenbrot, häufig mit Sauerteig |
Roggenbetonte Brote werden häufig mit Sauerteig hergestellt. Dessen Säure unterstützt unter anderem eine für Roggen günstige Teig- und Krumenstruktur. Das heißt nicht, dass man jeden kleinen Roggenanteil zwingend versäuern muss – aber ein stark roggenlastiger Teig folgt anderen Regeln als ein Weizenbrot.
Wichtig: Roggenmehl 1150 lässt sich in einem klassischen Weizenbrötchen-Rezept nicht einfach 1:1 gegen Weizenmehl 550 austauschen und anschließend genauso kneten. Der Teig verhält sich grundlegend anders.
Vollkornmehl: Mehr vom Korn, mehr Wasserbedarf
Vollkorn ist keine eigene Getreideart und auch keine feste Typennummer. Es gibt Weizen-, Dinkel- und Roggenvollkornmehl. Entscheidend ist, dass die wesentlichen Bestandteile des gesamten gereinigten Korns verarbeitet werden – einschließlich der Schichten, in denen viele Ballaststoffe sitzen, und des Keimlings.
Vollkornmehle bringen in der Regel mehr Ballaststoffe und eine kräftigere Note mit. Gleichzeitig nehmen sie häufig mehr Wasser auf. Wer einen hellen Teig durch Vollkorn ersetzen möchte, sollte daher die Flüssigkeit nicht stur unverändert lassen. Es ist sinnvoll, mit einem Teilersatz zu beginnen, den Teig ruhen zu lassen und die Wassermenge nach der tatsächlichen Konsistenz anzupassen.
Das Klebergerüst kann bei Weizenvollkorn durch die Kornbestandteile anders wirken als bei hellen Weizenteigen. Ein Vollkornbrot muss deshalb nicht die gleiche große, offene Porung entwickeln wie ein helles Ciabatta. Es kann trotzdem locker und saftig sein – nur eben auf andere Weise.
Vollkorn ist nicht dasselbe wie „dunkles Mehl“
Ein Brot aus Weizenmehl 1050 ist nicht automatisch ein Vollkornbrot. Umgekehrt kann fein gemahlenes Vollkornmehl optisch überraschend hell wirken, insbesondere bei bestimmten Getreidesorten. Der Name auf der Zutatenliste ist aussagekräftiger als die bloße Farbe.
Welches Mehl passt zu welchem Gericht?
Wenn man nicht lange überlegen möchte, hilft diese Übersicht für die praktische Küche:
| Gericht oder Teig | Gute Ausgangswahl | Was zusätzlich zählt |
| --- | --- | --- |
| Rührkuchen und Muffins | Weizen 405, Dinkel 630 | Nach Zugabe des Mehls nicht übermäßig lange rühren |
| Biskuit | Weizen 405 | Luftige Verarbeitung und passende Rezepttechnik |
| Plätzchen und Mürbeteig | Weizen 405 | Fett, Temperatur und kurze Teigbearbeitung |
| Pfannkuchen und Waffeln | Weizen 405, Dinkel 630 | Teigkonsistenz und kurze Ruhe bei Bedarf |
| Hefezopf | Weizen 405 oder 550 | Knetung, Fett, Zucker und Gare |
| Brötchen | Weizen 550 | Proteineigenschaften und Teigführung |
| Baguette und Ciabatta | Weizen 550 oder geeignetes Brotmehl | Wasserführung und Strukturentwicklung |
| Pizza | Weizen 550 oder Pizzamehl | Eiweißqualität, Teigruhe und Ofentemperatur |
| Weizenmischbrot | Weizen 1050, ggf. kombiniert | Rezeptabhängige Hydratation und Gare |
| Roggenmischbrot | Roggen 997/1150 mit Weizenmehl | Roggenanteil, Sauerteig und Teigführung |
| Dunkles Roggenbrot | Roggen 1150/1370 oder Vollkorn | Geeignete Säuerung und ausreichend Backzeit |
| Vollkornbrot | Weizen-, Dinkel- oder Roggenvollkorn | Höherer Wasserbedarf, Quellen und passende Führung |
| Frische Pasta | Passendes Weizenmehl oder Hartweizengrieß | Gewünschte Bissfestigkeit und Rezept |
| Spätzle | Weizenmehl, Spätzlemehl oder Dunst | Passende Körnung und Teigkonsistenz |
| Soße binden | Weizen 405 | Klümpchenfreies Einrühren und Garen |
Es gibt nicht das eine „beste Mehl“. Ein dünner, knuspriger Flammkuchen braucht etwas anderes als ein luftiges Brot, und ein zarter Kuchen profitiert nicht automatisch von möglichst viel Gluten. Das gewünschte Ergebnis entscheidet.
Italienisches Tipo 00 – muss Pizza damit gebacken werden?
Auf italienischen Mehlpackungen findet man Angaben wie Tipo 00, Tipo 0, Tipo 1 und Tipo 2. Sie gehören zu einem anderen nationalen Typensystem als unsere deutschen Zahlen. Grundsätzlich beziehen auch sie sich auf den Ausmahlungs- beziehungsweise Mineralstoffbereich, sind aber nicht eins zu eins in deutsche Typen umzurechnen.
Tipo 00 bezeichnet ein sehr helles Weichweizenmehl. Es ist jedoch kein allgemeines Gütesiegel für Pizza. Es gibt Tipo-00-Mehle mit unterschiedlichen Proteingehalten und Backeigenschaften. Deshalb lohnt es sich, auf den vorgesehenen Verwendungszweck zu achten: Ein ausdrücklich für Pizza bestimmtes Mehl kann sich von einem anderen Tipo 00 deutlich unterscheiden.
Für einen guten Pizzateig zählen unter anderem:
Die Stärke und Qualität des Glutengerüsts.
Der Wasseranteil im Teig.
Die Dauer und Temperatur der Teigführung.
Die Art des Ofens und die Backtemperatur.
Eine schmackhafte Pizza gelingt auch mit geeignetem Weizenmehl 550. Wer sehr lange Gare oder besondere Pizzastile ausprobieren möchte, kann gezielt ein entsprechendes Pizzamehl wählen. Die „00“ allein erklärt noch nicht, wie sich ein Teig verhält.
Was Eiweiß und Gluten mit dem Teig machen
Gerade bei Brot und Pizza ist die Mehltype nur ein Teil der Entscheidung. Bei Weizen und Dinkel bilden bestimmte Proteine mit Wasser und Bearbeitung Gluten. Dieses elastisch-dehnbare Gerüst kann Gase im Teig halten. Die Eiweißangabe auf der Nährwerttabelle gibt einen groben Hinweis, ersetzt aber nicht die Beurteilung der tatsächlichen Proteinqualität.
Ein höherer Proteingehalt kann für lange Teigführungen und manche Brote hilfreich sein. Bei zarten Kuchen und Keksen ist ein sehr starkes Klebergerüst dagegen oft unerwünscht. Und bei Roggen kommt es ohnehin stärker auf andere Strukturfaktoren an.
Es gilt also nicht: „Je mehr Eiweiß, desto besser.“ Sondern: Je nach Gebäck braucht man unterschiedliche Eigenschaften. Wer tiefer einsteigen möchte, findet in unserem Küchenwissen-Artikel „Teig kneten und ruhen lassen – was dabei passiert“ die Erklärung, wie Kneten und Ruhe die Teigstruktur verändern.
Kann ich Mehltypen gegeneinander austauschen?
Manchmal ja, manchmal nur eingeschränkt. Die wichtigste Frage ist, wie groß der Unterschied zwischen den Mehlen ist und welche Aufgabe sie im Rezept übernehmen.
405 statt 550 – oder umgekehrt
Bei einfachen Rührkuchen, Pfannkuchen oder manchen Hefeteigen ist ein Austausch zwischen Weizen 405 und 550 häufig möglich. Es kann Unterschiede bei Wasseraufnahme und Teiggefühl geben. Bei anspruchsvolleren, lange geführten Brotteigen sollte man genauer hinschauen, ob das Ersatzmehl zur vorgesehenen Teigführung passt.
405 statt 1050
Ein Brot mit hellerem Mehl kann milder werden und anders mit Wasser umgehen. Umgekehrt kann ein Teig mit Type 1050 kräftiger schmecken und mehr Flüssigkeit brauchen. Bei einem Rezept, das auf eine bestimmte Mehltype abgestimmt wurde, muss das Ergebnis deshalb nicht identisch sein.
Helles Mehl statt Vollkorn – oder umgekehrt
Ein Teilersatz ist häufig der einfachste Einstieg. Wer Vollkorn ergänzt, sollte auf die Flüssigkeitsaufnahme achten und dem Teig Quellzeit geben. Wie viel zusätzliche Flüssigkeit erforderlich ist, variiert je nach Mehl, Anteil und Rezept. Eine allgemeingültige feste Prozentzahl wäre hier irreführend.
Weizen statt Roggen
Das ist bei Brotrezepten keine bloße Geschmacksfrage. Roggen bringt ein anderes Teiggerüst und andere Anforderungen an Säuerung und Verarbeitung mit. Vor allem bei hohen Roggenanteilen sollte man auf ein Rezept zurückgreifen, das ausdrücklich für Roggenmehl gedacht ist.
Drei häufige Missverständnisse
„Je höher die Type, desto grober das Mehl“
Nein. Höhere Typenzahlen bedeuten in erster Linie einen höheren Mineralstoffgehalt. Wie fein das Mehl gemahlen wurde, ist eine andere Eigenschaft. Auch Vollkornmehl kann sehr fein vermahlen werden.
„Type 550 ist automatisch besonders glutenstark“
Nicht automatisch. 550 beschreibt einen Mineralstoffbereich. Ob ein konkretes Mehl für lange Teigführung oder besondere Brot- und Pizzateige geeignet ist, hängt auch von Proteinmenge und -qualität ab.
„Dunkles Brot ist immer gesünder und immer Vollkorn“
Die Farbe allein sagt zu wenig. Dunkle Brote können aus höheren Mehltypen bestehen, mit Malz gefärbt sein oder Vollkorn enthalten. Für den Vollkornanteil ist die tatsächliche Zutatenzusammensetzung entscheidend. Vollkornprodukte liefern in der Regel mehr Ballaststoffe als helle Auszugsmehle; die Gesamternährung zählt jedoch weiterhin.
Mehl richtig lagern
Mehl sollte trocken, eher kühl, vor Licht geschützt und gut verschlossen aufbewahrt werden. Ein dicht schließender Behälter schützt unter anderem vor Feuchtigkeit, fremden Gerüchen und Vorratsschädlingen.
Vollkornmehl enthält auch den fetthaltigen Keimling und kann deshalb eher ranzig werden als stark ausgemahlenes helles Mehl. Ein Mindesthaltbarkeitsdatum ist nicht automatisch ein Wegwerfdatum. Vor der Verwendung sollte man jedoch auf Geruch, Aussehen und Schädlinge achten. Muffig oder ranzig riechendes, verschimmeltes oder von Vorratsschädlingen befallenes Mehl gehört nicht mehr ins Essen.
Bei größeren Vorräten hilft es, die Kaufdaten auf den Behältern zu notieren und zuerst die älteren Packungen aufzubrauchen. Wer nur gelegentlich Vollkorn backt, kauft lieber eine kleinere Menge, statt die offene Tüte sehr lange im Schrank liegen zu lassen.
Kleine Küchenpraxis: Wie sich zwei Mehle unterscheiden
Wer den Effekt selbst kennenlernen möchte, kann zwei einfache, gleich zusammengesetzte Weizenteige vergleichen: einen mit Type 405 und einen mit Type 1050. Ein vorhandenes, geeignetes Teigrezept dient als Grundlage. Beide zunächst mit derselben Vorgehensweise vermischen, abdecken und die Unterschiede beobachten.
Wie schnell wird das Mehl feucht? Wie fest oder weich fühlt sich der Teig nach einer Pause an? Muss für eine ähnliche Konsistenz bei einem der beiden Teige mehr Wasser ergänzt werden? Wie unterscheiden sich Farbe, Geruch und später das Gebäck?
Der Versuch ist keine wissenschaftliche Messung und kein garantierter Geschmacksvergleich. Aber er zeigt anschaulich, warum sich die Zutat „Mehl“ nicht allein durch ihr Gewicht beschreiben lässt.
Meine Tipps für den Mehleinkauf
Für die Alltagsküche: Weizen 405 deckt Kuchen, Pfannkuchen, Plätzchen und viele weitere Aufgaben ab.
Für Brötchen und einfache Pizza: Weizen 550 ist ein guter Ausgangspunkt.
Für kräftigeres Brot: Höhere Weizentypen, Roggenmehl und Vollkorn nach einem passenden Rezept auswählen.
Bei Dinkel: Nicht davon ausgehen, dass Dinkel glutenfrei ist oder sich jeder Dinkelteig wie Weizen verhält.
Bei Pizzamehl: „Tipo 00“ nicht mit garantierter Backstärke verwechseln. Auch Verwendungszweck und Eiweißangabe ansehen.
Für Vollkorn: Mehr Zeit zum Quellen und gegebenenfalls mehr Wasser einplanen – immer nach Teiggefühl und Rezept.
Nicht zu viele Spezialmehle bevorraten: Zwei oder drei gut gewählte Mehle sind im Haushalt oft hilfreicher als zehn angebrochene Tüten.
Fazit
Die Zahl auf der Mehlpackung ist eine gute Orientierung, aber keine vollständige Gebrauchsanweisung. Mehltypen zeigen vor allem, wie mineralstoffreich das Mehl ist. Für das Backergebnis zählen zusätzlich Getreideart, Proteineigenschaften, Wasseraufnahme und Teigführung.
Wer hauptsächlich Kuchen backt, kommt mit 405 meist gut zurecht. Für Brötchen und viele Hefeteige ist 550 praktisch. Kräftige Brote profitieren häufig von höheren Mehltypen, Roggen oder Vollkorn. Und für Spezialfälle wie sehr lange geführte Pizza lohnt es sich, über die bloße Typenzahl hinauszusehen.
Das passende Mehl ist nicht das mit der höchsten Zahl – sondern das, das zum Teig und zum gewünschten Ergebnis passt.
Quellen und weiterführende Informationen
Die fachlichen Grundlagen wurden anhand der folgenden Quellen überprüft (abgerufen am 31.10.2026):
Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkeindustrie – Mehltypen: Bedeutung der Typenzahl, DIN 10355, Verwendungszwecke und Vollkorn.
Verbraucherzentrale Bayern – Was bedeuten die verschiedenen Mehltypen?: Mineralstoffgehalt, Vollkorn und praktische Einordnung.
TÜV SÜD – Brot backen: Was Verbraucher über Mehlsorten wissen sollten: Typenzahl, Backeigenschaften und Grenzen der Protein-Aussage.
IREKS – Mineralstoffgehalt in der Mehlanalytik: Typenbereiche nach DIN 10355.
Natur von hier – Getreide und Mehle: Unterschied von Mehl, Dunst und Grieß sowie typische Anwendungen.
Hessen – Warenkunde Mehltypen: Vollkorn, Wasserbedarf und Mehlaufbewahrung.
Verbraucherzentrale – Checkliste zur Haltbarkeit von Lebensmitteln: Lagerung, Vorratsschädlinge und Ranzigkeit.
Pizza Dough Guide – Welches Mehl für Pizza?: Einordnung von Tipo 00, Mehltype und Teigstärke.